Die Welt hat sich aber auch ohne Kohl bis heute verändert:
Späte Ehre: Ex-Staatssekretär Dr. Schulte:
Ohne Helmut Kohl keine Wiedervereinigung
Höhepunkte beim Seniorentag der Senioren-Union Ostwürtt-
emberg und Heidenheim im Kloster Neresheim: Abt dankte

Der Dank an Helmut Kohl stand im Mittelpunkt des Seniorentages.  
Neresheim. Der Saal im Kloster Neresheim war beim alljährlichen Seniorentag der Senioren-Union Ostalb und dem Kreis Heidenheim voll besetzt. Der Vorsitzende Rolf Rapp bedankte sich bei den Senioren für ihre Treue und ihr Interesse an der Politik. Abt Norbert Stoffels motivierte die Senioren, ihre Fähigkeiten der Erfahrung und der Erinnerung für eine verantwortungsvolle Gestaltung der Gesellschaft zu nutzen. Der langjährige Gmünder CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär a. D. Dr. Dieter Schulte sprach zum Thema „Zeitenwende 1989/90 – vorher, nachher, heute".

Vollbesetzter Saal im Kloster Neresheim. Rechts der Abt N. Stoffels
Er ging auf die aufregende Dekade ein, die die Welt veränderte. Schulte betonte, dass der sowjetische Parteichef Gorbatschow bereits Mitte der 80er Jahre eingesehen habe, dass Wettrüsten und sozialistische Wirtschaftsordnung nicht zur Weltherrschaft führen konnten. Neben allen Entspannungsbemühungen habe der Westen mit dem Nato-Doppelbeschluss und der Aufstellung der Pershing-Raketen gezeigt, dass er nicht erpressbar war. Durch seine Reformen im Innern signalisierte Gorbatschow dem SED-Regime auch, dass es von seiner Seite keine Unterstützung bei Unruhen in der DDR geben würde.

Von links CDU-MdL Winfried Mack, Referent und Vor. Rolf Rapp.     
Damit war der SED-Diktatur die sowjetische Existenzgrundlage entzogen, anders als am 17. Juni 1953 oder beim Aufstand in Budapest oder Prag. Noch war die SED-Führung fest im Sattel und konnte Andersdenkende inhaftieren, peinigen oder in Gefängnissen verschwinden lassen. Für einen eventuellen Kampfeinsatz wurden bereits Blutkonserven bereitgestellt.

Die immer stärker werdenden Demonstrationen, vor allem in Leipzig, bewirkten jedoch, dass die sowjetischen Panzer in den Kasernen blieben. Die Sowjets signalisierten: „Wir machen nichts". Zwei Tage später war Honecker verschwunden.

Nun begann die schwierige Aufbau-Arbeit für eine freiheitliche Ord-nung in diesem Teil Deutschlands. Angetrieben von dem unbeirr-baren Willen Helmut Kohls wurde die Wiedervereinigung in Angriff genommen. Aus „Wir sind das Volk" wurde „Wir sind ein Volk". Dr. Schulte war in die schwierigen Verhandlungen zur Wiederver-einigung eingebunden. Nicht alle Siegermächte wollten ein wieder-vereinigtes Deutschland.

Das jahrelange gute Verhältnis von Helmut Kohl nach Moskau und zu den USA zahlte sich aus, denn ohne Amerika hätte Kohl keine Wiedervereinigung schaffen können. Mit Blick auf die heutige Situation im wiedervereinigten Deutschland schloss der Referent seinen hoch interessanten Vortrag.

MdL Winfried Mack informierte die Senioren über landespolitische Ereignisse. Er hob besonders den bildungspolitischen Erfolg von Baden-Württemberg hervor. Dann ging er auf die Ereignisse um das Bahnprojekt Stuttgart 21 ein. Das Projekt ist von allen Instanzen demokratisch beschossen und die Gerichte haben die Rechtmäßigkeit bestätigt. Die Beschlüsse reichen bis in das Jahr 1995 zurück. Die von politischen Gegnern angezettelten Demonstrationen werden teilweise auch mit falschen Behauptungen unterlegt. So ist z.B. nicht bekannt, dass auch Ostwürttemberg stark von diesem Projekt profitiert. Würde Stuttgart 21 gestoppt, würde das Geld niemals nach Baden-Württemberg fließen, sondern in baureife Maßnahmen anderer Bundesländer.

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 muss erfolgreich verwirklicht werden. Der starke Beifall der Senioren bestätigte seine Auffassung. Bei Kaffee und Kuchen in der Klostergaststätte klang der Nachmittag aus. Rolf Rapp