Predigt von Amtsrichter Michael Lang hat gesessen u. gewirkt:
9 Monate Knast und 800 € Buße als Folge der
Schlägerei beim "Oberkochener Gartenfest"

Angeklagte entschuldige sich bei zwei Verletzten:´"Bei solch-
en Schlägereien entstehen schnell 50.000 € Schaden-Ersatz"

Strafrichter Michael Lang in seinem Gerichtssaal 008, der mit  Pre-digt mehr bewirkte als mit hohen Strafen.     AIZ-Foto: D.Geissbauer
Aalen/Oberkochen.
Ein etwa 26-jähriger junger Mann der gerne schlägert wurde von Strafrichter Michael Lang am Donnerstag Mittag 5. August 2010 im Saal 008 zu neun Monaten Freiheitsstrafe mit vierjähriger Bewährung und 800 € Geldbuße wegen einer Schlägerei beim Gartenfest in Oberkochen verurteilt (AZ: 1 Ds 55 Js 7587). Savo Z. bedauerte die "vorsätzliche Körperverletzung" und stimmte somit Richter Lang milde, der ihn sogar "als Vorbild" bezeichnete, obwohl er wieder einmal straffällig geworden war. Der Angeklagte verbarg seine kräftigen Fäuste geschickt unter der Anklagebank und blinzelte Strafrichter Land ins Gesicht so wie es ihm wahrscheinlich sein Anwalt Rechtsanwalt Hubel (Aalen) in der Regie angewiesen hatte und tat so als könnte er nicht einmal eine Fliege tot schlagen.

Bei der Urteilsverkündung war es besonders still im Gerichtssaal obwohl man es hatte knistern hören: Staatsanwalt und an der Schlägerei Beteiligte hätten den jungen Mann lieber weggesperrt gesehe. Doch als Rechtsanwalt Hubel selbst 800 € Geldstrafe für einen Mandanten anbot war der Knoten zwischen Richter Lang und dem Angeklagten endgültig geknackt, weshalb der Amtsrichter etwas tat was bei ihm selten vorkommt:

Er begründete sein quasi mildes Urteil trotz Vorstrafen mit der Feststellung zwar hätte man dem jungen Mann grundsätzlich keine Bewährung geben dürfen, also zwei Kindern den Vater und der Ehefrau den Mann hinter Gitter sperren müssen, aber Langs Herz schlägt eben für solche Straftäter die noch zu bessern sind und die - wenigstens in der Verhandlung vor Gericht - sich besserungswillig gaben, obwohl ihm die Entschuldigung bei den beiden Verletzten etwas kläglich über die Lippen kam und für die Zuhörer kaum ernst-haft klang.

Da aber Strafrichter Lang den Angeklagten niemals wieder im Leben in seinem Gerichtssaal als Angeklagten sehen will und eine Schlägerei auf dem Gartenfest in Oberkochen keinesfalls ein Ruh-mesblatt ist folgte eine ellenlange Predigt statt Urteilsbegründung des Strafrichters, der natürlich wusste dass die Gartenfestbesucher im Saal eigentlich von ihm eine drastischere Strafe erwartet hätten, aber nach der "'Predigt" von Lang ein "Amen" vor dem Saal 009 gemeinsam sangen.

Das bekamen die zwei Nebenkläger und der Staatsanwalt nicht mehr mit, aber wenigstens die "Predigt" von Strafrichter Lang die auch sie und die Zuhörer sehr tief beeindruckt hat: "Zugunsten des Angeklagten wurde im Urteil berücksichtigt dass er ein volles Geständnis abgelegt hat. Außerdem gab es eine aufgeheizte Situa-tion bei dieser Schlägerei beim Gartenfest in Oberkochen.   

Das müssen Sie sich als Verurteilter nun endgültig merken und ein-prägen: Solche Sätze zu Elfi wie man sollte sich nie einmischen wenn Erwachsene sich streiten sollen künftig unterbleiben und damit Situationen nicht aufheizen.

Dabei hat der Angeklagte seine Bewährung als Ehemann und Vater von zwei Kindern aufs Spiel gesetzt. Denn das hätte so schlimm ausgehen können dass auch sein ganzes Leben hätte versauen können: Ich habe schon Fälle hier im Gerichtssaal erlebt wo bei einem Kieferbruch Schadenersatz von 50.000 € den Geprügelten zugestanden wurde. Ein solcher Schadenersatz-Anspruch zum Bei-spiel einer Krankenkasse kann Ihnen bei einer Schlägerei das ganze Leben versauen!

Staf-Richter Michael Lang zum Angeklagten:
"Sie sind doch ein Vorbild für viele andere!"

Selbst bei einer Privat-Insolvenz bleiben solche Schadenersatz-Ansprüche wie zum Beispiel diese 50.0000 € stehen". Lang attestierte dem Angeklagten in seiner richterlichen Predigt dann Außergewöhnliches das auch das relativ milde Urteil begründete: "Sie führen doch mit ihrer Ehefrau und zwei Kindern ein normales Leben. Im Juli sind Sie arbeitslos geworden und haben kurze Zeit später schon wieder einen Job gehabt, während andere Arbeitslose sich nicht einmal um eine Arbeit bemühten. Sie haben also eine neue Arbeit bekommen und dafür sogar einen Ortswechsel in Kauf genommen: Sie sind diesbezüglich eben ein Vorbild für viele andere

Sie sollten trotzdem professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und eines ist klar: Nächstes Mal fällt die Strafe viel höher aus: Sie haben mit Geldstrafe, Gerichtskosten und Anwälte etwa 5.000 € verbraten das Sie besser für Ihre Familie investiert hätten". Und: "Herr Hubel (sein Anwalt aus Aalen) macht das Ganze um den Prozeß hier such nicht umsonst..."

Betend und schweigend nahm der Angeklagte diese außergewöhn-liche richterliche Ermahnung entgegen und schwieg zustimmend als wollte er sagen Danke Herr Richter dass Sie mir den Kopf gewaschen haben. Ich werde meine Fäuste einfrieren und niemals mehr wegen Schlägereien hier erscheinen.

Draußen im Gerichtsflur wurde bei den Beteiligten diese scharfe Lang-Predigt und das Urteil noch lange ausdiskutiert und am Ende war man sich einig: Besser einem Angeklagten ins Gewissen reden als ihn in den Knast zu schicken. Das ist nicht nur menschlich on Ordnung sondern gibt dem jungen Mann noch eine Chance auf eine neue Zukunft ohne Schlägereien. Respekt vor einem solchen Richter lang dessen Predigt 20 Mal länger war als die eigentliche Urteils-verkündung und Begründung, Übrigens hatte die 800 € Geldstrafe zusätzlich Anwalt Hubel für seinen Mandanten vorgeschlagen und Strafrichter Lang nahm dankend an. Dieter Geissbauer