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"Die Krise ist noch nicht zu Ende
und sie kostet Arbeitsplätze":
,,Aber das versteht unser
Wirtschaftsminister nicht" kritisierte Schmiedel WM Pfister scharf
Arbeitnehmerkonferenz Ostwürttemberg mit
dem SPD-Fraktio-
nschef Claus Schmiedel: Kampf für Rechte der Arbeitnehmer

Claudia
Sünder und Schmiedel einig: Kampf für die Arbeitnehmer.
Aalen/Westhausen. ,,Arbeitnehmerrechte sind keine
liebgewonn-enen Gewohnheiten, von denen man sich einfach mal kurz
verabschiedet", kritisierte die SPD-Bundestagskandidatin Claudia Sünder
lautstark die Worthülsen von Union und FDP. Gemein-sam mit den beiden
SPD-Landtagsabgeordneten Ulla Haußmann und Andreas Stoch lud sie den
Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, den Ludwigsburger
Landtagsabgeordneten Claus Schmiedel, zu einer Arbeitnehmerkonferenz mit
Betriebsräten und Gewerkschaftern nach Ostwürttemberg ein. Im Café Seeblick
in Itzelberg stellten sich die Politiker den Arbeitnehmervertretern. Claus
Schmiedel redete dabei sofort Tacheles: ,,Eines ist klar: die Krise ist noch
nicht zu Ende und sie kostet Arbeitsplätze."

Die SPD-Fraktion erwarte daher eine schnelle und vor allem tiefgreifende
Reaktion der Landesregierung auf die Wirtschafts- und Finanzkrise in
Baden-Württemberg. Diese müsse angesichts des erwarteten starken Anstiegs
der Arbeitslosigkeit endlich ihre zögerliche Haltung aufgeben und kraftvoll
eingreifen. ,,Wer die Zunahme der Arbeitslosigkeit verhindern will, muss
jetzt zupacken", erklärte Schmiedel.
Als eines der größten Probleme für die baden-württembergische Wirtschaft
stelle sich die Kreditklemme heraus, die sich immer mehr verschärfe. Heftige
Kritik richtete er an Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP). Dieser hätte
noch im August zusammen mit seinem bayerischen Kollegen in München die EU
und den Bund zu Gegenmaßnahmen gegen die Kreditklemme aufgefordert. Kaum
zurück in Baden-Württemberg, werde das Problem aber geleugnet.
Ähnlich sei die Haltung der Landesregierung bei der Ausstattung der
Unternehmen mit Eigenkapital. Die Alarmsignale für eine Überschul-dung der
Betriebe häuften sich. Schmiedel sieht im Land eine doppelte
Eigenkapitalklemme, da Banken selbst nur über begrenz-tes Eigenkapital
verfügten. Sie könnten den SPD-Bundes-tagskandidatin für den Wahlkreis
Unternehmen dadurch nur dann Geld zur Verfügung stellen, wenn die Firmen
Aalen-Heidenheim über ausreichende Sicherheiten verfügten. Dies sei aber
ohne ausreichendes Eigenkapital nicht möglich. Es bestehe deshalb die
große Gefahr, dass gute Unternehmen vom Markt verschwinden selbst wenn sie
bei einem neuen Aufschwung wieder schnell gut dastehen würden.
,,Gerade Mittelständler brauchen eine Plattform wie Großunter-nehmen sie
haben", sagte der Fraktionschef weiter. Die SPD setze deshalb für
Baden-Württemberg auf zwei Instrumente: die Mittelstandsanleihe und den so
genannten Baden-Württemberg-Fonds.
Bei der Mittelstandsanleihe könnten
kleine und mittelständische Unternehmen Kapital über die Landesbank (LBBW)
erhalten. Dabei müssten die LBBW und das Land für einen Teil des Ausfallrisikos
bürgen, um den Anlegern klare Sicherheiten zu geben. Beim
Baden-Württemberg-Fonds mit einem Volumen von einer Milliarde Euro sei es
aus Mitteln der Förderbank möglich, Unternehmen mit gesicherter Zukunft
vorübergehend zu Kapital zu verhelfen ohne den Steuerzahler zu belasten.
,,Aber das versteht unser Wirtschafts-minister nicht", kritisierte Schmiedel
Pfister scharf.
Auf die Frage nach der derzeitigen Auftragslage der großen Unternehmen in
Ostwürttemberg antworteten die Betriebsräte: ,,Wir haben nicht keine
Aufträge, aber eben ein deutlich niedrigeres Niveau." Auch wirke sich die
gezielte Ausnutzung der Schwachstellen im Bereich der Leiharbeit auf die
Unternehmen aus. ,,Konkurrenz durch Lohndumping ist eine reale Bedrohung",
mahnten die Arbeitnehmervertreter. Claus Schmiedel erklärte, dass in
Hinblick auf Leiharbeit jegliche Ausnutzungsmechanismen eliminiert werden
müssten. ,,Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ohne irgendeinen Zusatz", so
müsse der Gesetzestext lauten. Dem pflichteten auch Sünder, Haußmann und
Stoch bei.
Schmiedel sieht auch bei ,,Hartz IV" Änderungsbedarf. ,,So wie es jetzt ist,
ist es unfair", sagte er. Was Menschen sich über ihre Arbeit angespart
hätten, müsse ihnen auch erhalten bleiben. Um die Wirtschaft im Land wieder
in Schwung zu bringen wolle die SPD mit
einem neuen Wirtschaftsprogramm ,,20-20-20" mittelfristig starke Anreize für
mehr Wachstum und Beschäftigung in Baden-Württemberg schaffen, erklärte
Schmiedel den Konferenzteil-nehmern. Angestrebt werde, bis zum Jahr 2020 den
Anteil der Erneuerbaren Energien bei Strom, Verkehr und Wärme auf 20
Pro-zent zu erhöhen. Gleichzeitig solle der gesamte Energieverbrauch im Land
um 20 Prozent gesenkt werden. ,,Mit einem solchen Programm könnten wir die
Wirtschaft gleichzeitig fördern und umbauen", erklärte Schmiedel und
lieferte damit zugleich den Betriebsräten eine Antwort auf die Frage, wie es
denn nun weiter gehen solle.
Experten des Bundesumweltministeriums hätten berechnet, dass durch eine
bessere Energieeffizienz bis 2020 bundesweit eine halbe Million
Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, informierte der SPD-Fraktionschef
weiter. Rund 70.000 zusätzliche Arbeitsplätze könnten in Baden-Württemberg
dadurch entstehen. Privathaushalte, Unternehmen und die öffentliche Hand im
Land könnten zudem fünf Milliarden Euro Kosten einsparen. Ausführlich
erläuterte Schmiedel, wie eine mögliche Umsetzung des Programms vonstatten
gehen
könnte.
Viele weitere Themen standen noch auf der Agenda der Arbeitnehmerkonferenz.
Am Ende waren sich SPD-Politiker und Gewerkschaften ebenso wie Betriebsräte
darin einig, dass der Dialog miteinander nach der Bundestagswahl fortgesetzt
werden müsse. ,,Die Basis stimmt", lautete das Fazit. |