Er leitete zum letzten Mal 15. Pflanzenbautag im "Kellerhaus":
Ostalb-Pflanzenbau-Papst Karl-Johann van
Eeck geht als Ellwanger Chef in Ruhestand

Pflanzenschutz, Bodengesundheit bei intensiven Fruchtfolgen
u. der Wettstreit Lebens-, Futtermittel- und Bio im Mittelpunkt


Der Pflanzenbau-Papst der Ostalb geht dieses Jahr in den Ruhe-stand und verlässt nicht ganz freiwillig die Bühne: Karl-Johann van Eeck hat viel Herzblut für Pflanzenbauer der Ostalb investiert und hinterlässt ein bestelltes Feld in Blüte. Er tritt dieses Jahr seinen Ruihestand an.        AIZ-Archiv-Bilder: Dieter Geissbauer
Aalen-Oberalfingen/Ellwangen.
Neuerungen für den Anwender im Pflanzenschutz, Erhaltung der Bodengesundheit bei intensiven Fruchtfolgen und der Wettstreit zwischen Lebens-, Futtermittel- und Bioenergieproduktion - diese und andere Themen standen im Mittelpunkt des 15. Zentralen Pflanzenbautages, veranstaltet durch den Verein Landwirtschaftliche Fachbildung und den Geschäfts-bereich Landwirtschaft des Ostalbkreises im Gasthaus Kellerhaus in Aalen-Oberalfingen.

Unter dem Generalthema „Nachhaltigkeit im Pflanzenbau" konnte Karl-Johann van Eeck, Sachgebietsleiter für den Pflanzenbau beim Geschäftsbereich Landwirtschaft, zahlreiche Praktiker, landwirtsch-aftliche Berufs- und Fachschüler und Vertreter von Genossenschaft, Landhandel und der Agrarindustrie begrüßen. Dr. Johann-Albert Pfister vom Regierungspräsidium Stuttgart stellte eingangs die umfangreichen Neuerungen im Pflanzenschutzrecht vor. Oberstes Ziel sei es, die Harmonisierung in diesem Bereich in Europa weiter voranzutreiben. So ist die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln seit 14.06.2011 auf EU-Ebene neu geregelt. Auch die Dokumenta-tionspflichten für den Anwender sind nun EU-weit geregelt.

Auf nationaler Ebene ist in Deutschland zum 14.02.2012 das Gesetz zur Neuordnung des Pflanzenschutzrechts auf der Basis von EU-Vorgaben in Kraft getreten. U. a. werden die Regelungen in der Sachkunde verschärft. Anwender, Händler und Berater von Pflanz-enschutzmitteln müssen sich künftig intensiv fortbilden. Die Sachkunde gilt nur befristet auf drei Jahre.

Zu den Zielen des nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln stellte Dr. Pfister fest, dass die Risiken bei der Anwendung bis 2020 um 25% reduziert werden sollen. Dieses soll durch weitere Reduzierung der Mittelaufwendungen, effizientere Ausbringungstechnik sowie durch weitere Reduktion der Toxizität von Mitteln erreicht werden. Neue Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz mit speziellen Grundlagen werden bis zum Jahr 2014 erarbeitet.

Bodenfruchtbarkeit u. die Boden-Gesundheit
bei intensiven Fruchtfolgen: "Nachhaltigkeit"
Über die Wichtigkeit von Fruchtfolgen in intensiven Acker-Fruchtfolgen für die Bodengesundheit und Bodenhygiene referierte Sven Böse von der Fachberatung des Pflanzenzuchtunternehmens Saaten Union in Hannover. Gesunde Böden mit mehreren Frucht-folgegliedern, dabei im Wechsel von Winter- und Sommerkulturen sowie auch Schwarzbrache, führen weniger zu Nematodenbefall, Virosen und zu höheren Vorfruchtwirkungen.

Effektivität, Effizienz und - jetzt neu - die Nachhaltigkeit bestimmen den Stellenwert des Ackerbaus. Die Erfolgsgröße des Ackerbaus der Zukunft ist die „Energieeffizienz der Produktion". Nach Aussagen von Böse muss zukünftig sechs bis 12 mal mehr Energie von der Fläche geerntet werden, als Energie in die Produktion bei Erhalt der Bodenfruchtbarkeit „reingesteckt" wird.

Böse zitierte aus den Veröffentlichungen des Fruchtfolgepapstes der 1960-iger Jahre, Professor Klapp. Schon Klapp - und auch er - glauben nur an Fruchtfolgen, die auch Sommerungen aufweisen. Nur so können nachhaltig gesunde und fruchtbare Böden sicher gestellt werden. In Versuchsergebnissen stellte Böse die Humuswirkung ein-zelner Fruchtfolgeelemente vor. Mais habe durch den Biogasboom flächenmäßig regional stark zugenommen. Die gesellschaftliche Akzeptanz und die Fruchtfolge- und Bodenwirkung seien insgesamt eher negativ.

Die Doppelnutzung mit z. B. Ganzpflanzensilage aus Getreide und anschließendem Mais sei aufgrund des verstärkten Humusabbaus eher noch negativer als Mais solo anzusetzen. Böse sprach sich für einen gezielten Zwischenfruchtanbau im Herbst mit bestimmten Pflanzen, aber keinen Mischungen, aus. So sei ein nachhaltiger Erhalt der Bodengesundheit möglich. Die billigste Gesundungsfrucht ist für ihn der Hafer.

Wirtschaftlichkeit im Ackerbau im Wettstreit
Lebens-, Futtermittelund Energieproduktion
Die Frage, welcher Pachtpreis letztendlich nach Deckung aller Kosten bezahlbar ist, erörterte Prof. Dr. Johannes Holzner von der Hochschule Weihenstephan in Triesdorf. Durch Kalkulation verschiedener Betriebsorganisationen und Betriebszweige veran-schaulichte Holzner, wie sich der Pachtpreis in Abhängigkeit von Erträgen und Erzeugerpreisen errechnet. Im Mittel aller Berechnungen kommt Holzner auf betriebswirtschaftlich vertretbare Pachtpreise, d. h. bei Betrachtung aller kostenrelevanten Größen von 150 €/ha Grünland und 250 €/ha Ackerland. Die real gezahlten Preise liegen jedoch um ein Vielfaches höher. Die zunehmende Flächenknappheit hat wohl entscheidend mit zum massiven Anstieg der Pachtpreise beigetragen. Die Alternative Landkauf ist in aller Regel rentabel, so Holzner, aber kostet den Betrieb oft die notwendige Liquidität.

Technische Geräte-Ausstattung auch bei der
Ausbringung organischer Wirtschaftsdünger
Über effiziente Gülleausbringung informierte Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Für eine hohe Düngeeffizienz der Gülle sind nach Kowalewsky die gute Durchmischung und damit die gleichmäßige Zusammensetzung der Gülle, die Dosiergenauigkeit, das Transportverfahren, die Ausbring-ungs- sowie die Verteilungstechnik entscheidend. Zur Bedeutung der Vier-Stunden-Regelung nach Düngeverordnung, welche die Einarbeitungszeit von Gülle auf unbewachsenem Ackerland vorgibt, und die er für angemessen hält, verdeutlichte Kowalewsky, dass so die Ammoniakemissionen nach Untersuchungen bis zu 65 % reduziert werden können.

Eine Einarbeitung nach 48 Stunden oder zwei Tagen bringt eine Re-duzierung von nur noch 20 %. Mit welcher Technik die Einarbeitung erfolgt, hält er für weniger bedeutsam. Zur Verteiltechnik erklärt Kowalewsky, dass der Prallkopfverteiler auf den Boden abstrahlend die absolute Minimalausstattung darstellt. Schleppschlauchverteiler und Injektionstechnik sind augenblicklich die Spitzenausrüstung, aber aus der Sicht der Kosten nur überbetrieblich darstellbar. Als ein wesentlicher technischer Fortschritt bei Güllewagen, insbesondere für Fahrten auf dem Grünland, wird eine Reifendruckregelanlage künftig verstärkt Anwendung finden. Denn ein geringer Reifenluftdruck wirkt durch geringeren Bodendruck bodenfreundlich. Für Straßenfahrten muss der Reifendruck jedoch problemlos zu erhöhen sein, um den Reifenverschleiß hier in Grenzen zu halten.

Kowalewsky erläuterte weiter die Möglichkeiten verschiedener Dün-getechniken auf dem Ackerland, bewachsen oder unbewachsen, sowie auf Grünland. Zur Düngung mit Festmist besteht nach Meinung des Referenten noch ein hoher Forschungsbedarf. So bestehen noch Problembereiche beim Festmist bei der Ausbringung, der Homogenität, der Nährstoffgehalte, der Volumendosierung und dem Zerkleinerungsgrad.

Fortschritte auch in modernen Landwirtscha-
ft; Apps - neuzeitliche Helfer im Pflanzenbau
Zum Abschluss der Tagung zeigte Josef Thoma von der Firma BayWa in München die Vorteile verschiedener Applikationen (Apps) für Smartphone und Tablet-PCs als „neue Helfer" im Pflanzenbau auf. So sind Informationen vor Ort, d. h. auf dem Feld etwa über Wetter, Windgeschwindigkeit, Pflanzenkrankheiten und über Un-kräuter und Ungräser abrufbar. Auch dienen diese Apps als Beratungsinstrument für zugelassene Pflanzenschutzmittel. Dieser Bereich, so Thoma, wird sich sehr schnell weiterentwickeln. Die Apps sind für ihn keine Spielerei. Wichtig ist für ihn, dass die An-wendungen nicht nur Feld- oder Kulturanalysen ermöglichen, sondern auch Beratungsempfehlungen geben und auf Fachbera-tungsstellen und Berater verweisen.

Pflanzenbau-Papst im Gasthaus Kellerhaus in Aalen-Oberalfingen.