50 Kreisräte kamen und staunten: Wald ist fit für die Zukunft:
Ostalbkreis hat mit 60.000 Hektar drittgrößte
Waldfläche im Landkreise-Vergleich in BW
Bewirtschaftung für die nächsten 10 Jahre geplant: 17.000 ha
verteilen sich auf Ostalb auf über 10.000 Einzelwaldbesitzer

Leitender Forstdirektor Gerhard Obergfell und Revierleiter Gerold König erläuterten mitten im Wald Ergebnisse der Forteinrichtung.  
Aalen/Obergröningen-Rötenbach. Anlässlich der Fertigstellung der Forsteinrichtungserneuer-ung im öffentlichen Wald des Ostalbkreises hatte Landrat Klaus Pavel am 14. Mai zu einem Waldinfotag nach Obergröningen-Rötenbach eingeladen. 50 Kreis-räte, Bürgermeister, Forstleute und interessierte Bürgerinnen und Bürger trafen sich im Vorderen Rötenbach auf Gemarkung Obergröningen und verfolgten die Ausführungen der Fachleute zum Waldzustand und zur Waldbauplanung für die nächsten zehn Jahre. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es den Förstern des Landkreises und der Betriebsleitung von ForstBW gelungen ist, ausgewogene Pläne zu erstellen", freute sich Landrat Klaus Pavel in seiner Begrüßungsansprache, nicht ohne den hohen Stellenwert des Waldes und der Forstwirtschaft im Ostalbkreis zu betonen.

Der Geschäftsführer des Landesbetriebes ForstBW, Ministerialrat Heiner Scheffold erläuterte die Ergebnisse der Forteinrichtung.      

Schließlich besitze der Ostalbkreis mit 60.000 ha die drittgrößte Waldfläche im Vergleich der baden-württembergischen  Landkreise. Er ging speziell auch auf die Strukturprobleme des Kleinprivat-waldes ein. 17.000 ha verteilen sich auf über 10.000 Einzelwald-besitzer. Diesen signalisierte der Landrat, dass sie sich jederzeit vertrauensvoll an das Kreisforstamt wenden können. Sie erhalten dort bereitwillig Beratung in allen Fragen rund um den Wald, und das zumeist unentgeltlich.

„Die Betriebsplanung für das kommende Jahrzehnt im Kommunal- und Staatswald des Ostalbkreises steht. Zwei arbeitsintensive Jahre liegen hinter den Forstplanungsspezialisten von ForstBW. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die Waldbewirtschaftung ist zukunftsfähig ausgerichtet", sagte der Geschäftsführer des Land-esbetriebes ForstBW, Ministerialrat Heiner Scheffold.

Der ForstBW-Fachbereich „Waldbau, Klimawandel, Forsteinricht-ung, FGeo" erstellt landesweit in Zusammenarbeit mit den Forstbeamten der Landratsämter die 10-Jahresplanung für die Forstbetriebe. Bei den Planungsarbeiten – auch Forsteinrichtung genannt – werden zentrale Fragestellungen für die Waldbe-wirtschaftung bearbeitet. Im Rahmen von ausgefeilten Stich-probenverfahren wird erhoben, wie viele Bäume es etwa im Wald gibt, welche Baumarten in welchen Anteilen vorkommen, wie die Durchmesser sind und ob die Bäume am richtigen Standort und angepassten Bodenverhältnissen stehen.

Nach einer Zustandserfassung und einem Rückblick auf die Bewirtschaftung und Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren haben die Forsteinrichter in enger Zusammenarbeit mit den örtlich zuständigen Revierleitern eine neue Planung erstellt. Die Ergeb-nisse sind für jeden Forstbetrieb als detaillierter Leitfaden in einem umfangreichen Zahlen- und Kartenwerk zusammengestellt.

Wie die Forstleute vor Ort dabei im Einzelnen vorgehen, zeigten bei einem anschließenden Waldbegang Leitender Forstdirektor Gerhard Obergfell und Revierleiter Gerold König. Besonderes Aug-enmerk galt der Waldpflege, dem Holzeinschlag, der Naturver-jüngung und Pflanzung, der Walderschließung sowie Maßnahmen der Erholungsvorsorge und des Waldnaturschutzes.

Im Staatswald stehen durchschnittlich rund 320 Kubikmeter Holz auf jedem Hektar und jedes Jahr kommen mehr als zehn dazu. Das heißt, dass im kommenden Jahrzehnt auch über acht Kubikmeter pro Hektar geschlagen werden können. Das ergibt allein für den Staatswald im Ostalbkreis einen Jahreseinschlag von ca. 176.000 Kubikmeter Holz. Damit liegt die geplante Nutzung gut einen Kubikmeter unter dem Zuwachs, d. h. die Holzvorräte werden weiter ansteigen. Auch die Pflege der aus Sturm „Lothar" resul-tierenden Jungbestände wird eine gewaltige Aufgabe für die Förster und Forstwirte des Landkreises. Rund 5.000 Hektar müssen in den nächsten zehn Jahren gepflegt werden.

ForstBW-Geschäftsführer Scheffold lobte abschließend die Mitarb-eiter der Forstbehörde beim Landratsamt für die gute Zusamm-enarbeit in der Vergangenheit. Dem schloss sich Landrat Pavel an. Er dankte allen Mitarbeitern seines Fachbereichs Forsten unter der Leitung von Forstdezernent Johann Reck und den Experten der Betriebsleitung von ForstBW, die sich „professionell und mit viel Herzblut" für die Belange des Waldes engagieren.

Im Ostalbkreis ist dies die erste „Forsteinrichtung" seit der durch die Verwaltungsreform bedingten Zusammenlegung von Teilflächen aus elf Forstämtern. Neu ist dabei auch die Berücksichtigung der durch europäische Richtlinien geschützten Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, die immerhin gut zehn Prozent der fast 22.000 Hektar umfassenden Staatswaldfläche im Landkreis ausmachen. Der ökologische Zustand des Waldes soll nicht nur erhalten, sondern verbessert werden. Die naturnahe Waldwirtschaft bleibt daher das wichtigste Bewirtschaftungsprinzip, weil damit auch Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden.

Das vergangene Jahrzehnt wurde auch im Landkreis stark durch den Sturm „Lothar" im Jahr 1999 und die darauf folgenden Käferkalamitäten geprägt. Für den normalen Waldbesucher mag überraschend sein, dass sich als Folge der Sturm- und Käferka-tastrophen eine deutliche Zunahme des Laubbaumanteils auf 41 Prozent der Waldfläche im Staatswald des Landkreises ergab. „Wir versuchen, so wenig wie möglich gegen die Natur zu arbeiten. Die Zunahme des Laubholzanteils ist daher logisch, denn weite Teile des Landkreises wären von Natur aus ein Buchenwaldgebiet", bet-onte Leitender Forstdirektor Gerhard Obergfell, der die Planungs-arbeiten koordiniert hat.

Dennoch sind die Standortsverhältnisse im Landkreis teilweise auch gut für die Fichte geeignet und in den höheren Lagen hat sie daher trotz Klimawandel immer noch eine Zukunft, was auch bei der neuen Planung berücksichtigt wurde. Klimamodelle prognosti-zieren für den Ostalbkreis in den tieferen Lagen einen starken Rückgang der Baumart Fichte, bedingt durch Trockenschäden und Borkenkäferbefall. Die Forsteinrichtungsplanung sieht dort eine Entwicklung hin zu höheren Tannen- und Buchenanteilen vor. Auch die Baumarten Douglasie und Eiche werden zukünftig eine größere Rolle spielen.

Zusatzinformation: Der Begriff der Forsteinrichtung hat eine rund 200-jährige Tradition. Aus einer durch Übernutzung der Wälder entstandenen Holznot im 17. und 18. Jahrhundert ergab sich die Notwendigkeit, den Wald nur noch planmäßig zu nutzen. Mit Forstordnungen wurde die Nutzung der Wälder daher zum ersten Mal gesetzlich geregelt. Aus dieser Zeit stammt auch der von Freiherr von Carlowitz geprägte Begriff der Nachhaltigkeit. In früheren Zeiten galt Nachhaltigkeit ausschließlich als ein rein wirtschaftliches Prinzip zur dauerhaften Sicherung kontinuierlicher Holzlieferungen. Heute versteht man darunter auch die gleichbleibende Gewährleistung aller ökologischen und sozialen Funktionen des Waldes. Die Folge der nachhaltigen Waldbewirt-schaftung war ein enormer Aufbau an Holzvorräten. Die Forstein-richtung lieferte als langfristige Betriebsplanung die entsprechende Voraussetzung für diese positive Entwicklung in unseren Wäldern.