Das Beispiel Innovations-Zentrum auf dem Aalener Campus:
Präsentation der EU-Ostalb-Leuchtturmpro-
jekte kam in Gmünd ebenfalls nicht zu kurz

Europa mit Fördermitteln weiter gemeinsam stärken - Podium
zur EU-Strukturförderung - 21,5 Millionen Euro von der ELR

EU-Struktur-Experten schnupperten gemeinsam in der Praxis: Firmenbesuch bei der Heinzmann GmbH in Degenfeld. V.l.: Die Ge-schäftsführer Eva-Maria und Engelbert Heinzmann, Wirtschaftsbeauf-tragter Klaus Arnholdt (Schwäbisch Gmünd, Eva Lieber, Florian Domansky, Wirtschaftsbeautragter Rainer Fünfgelder (Ostalbkreis). 
Schwäbisch Gmünd. Fördermittel der Europäischen Union stecken im Ostalbkreis in vielen Projekten. Die aktuelle Förderperiode läuft noch bis 2013. Doch wie geht es danach speziell mit der EU-Strukturförderung weiter und welche Schwerpunkte werden gesetzt? Die Kommunen und weitere Akteure im Ostalbkreis haben bei einer Veranstaltung des EUROPoint Ostalb am vergangenen Freitag (8.4.2011) im Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd jetzt erste Informationen und eine Diskussionsmöglichkeit erhalten. Klar ist: Baden-Württemberg soll auch nach 2013 Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) erhalten, wobei verstärkt Leuchtturmprojekte mit deutlichem europäischen Mehrwert gefördert werden sollen.

Landrat Pavel sprach über die Zukunft der EU-Strukturförderung".    
„Der Ostalbkreis ist gerne Partner Europas und wir setzen uns weiterhin für eine gute Zusammenarbeit ein", betonte Landrat Klaus Pavel in seinem Eingangsstatement. Viele Projekte seien mit Unterstützung des Landes und der EU über die Strukturförderung und über LEADER erfolgreich umgesetzt worden. Allein in der aktuellen Förderperiode von 2007 bis 2013 konnten im Ziel „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (RWB)" über die EU-Leuchtturmprojekte in Aalen und Schwäbisch Gmünd hinaus viele innovative einzelbetriebliche Maßnahmen aus dem Entwicklun-gsprogramm Ländlicher Raum(ELR) des Landes Baden-Württ-emberg mit EU-Mitteln kofinanziert werden. Regionale Cluster-aktivitäten in den Bereichen „Oberflächentechnik" und „Forst und Holz" werden ebenfalls von der EU unterstützt. Pavel betonte, dass seit Beginn der aktiven RWB-Förderphase im Jahr 2008 einschließ-lich der aktuellen Programmentscheidung im ELR vom Februar 2011 rund 21,5 Mio. Euro Landes- und EU-Mittel über das ELR in den Ostalbkreis geflossen sind.

Davon entfallen 4,57 Mio. Euro allein auf RWB-Projekte, die aus-schließlich Maßnahmen kleiner und mittlerer Unternehmen unter-stützen. In dieser Zeit konnten fast 700 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, davon über 280 bei RWB-Projekten. Von den rund 100 neuen Ausbildungsplätzen entstanden 40 bei RWB-Maßnahmen. Sofern alle ELR- und RWB-Maßnahmen umgesetzt werden, wird ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 198 Mio. Euro ausgelöst.

Mit Vertreterinnen und Vertretern des EU-Parlaments, der EU-Kommission, des Landes Baden-Württemberg und der Kommunalen Landesverbände war die Riege der Referenten hochkarätig besetzt. Es wurde deutlich, dass sich die künftige EU-Strukturförderung an der EU-2020-Strategie ausrichten wird, einer Strategie für intelligen-tes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Sie legt die Vision einer sozialen Marktwirtschaft für das 21. Jahrhundert in Europa dar.

Die EU-Abgeordnete Dr. Ingeborg Gräßle, die sich im Haushaltskon-trollausschuss und Haushaltsausschuss des Europäischen Parlaments stark engagiert, sprach sich für eine möglichst unkom-plizierte Umsetzung von Förderprojekten auf der Verwaltungsebene aus. Dazu gehöre auch eine stärkere Konzentration der Fördermittel. Der Mittelabfluss in den Strukturfonds könnte damit gesteigert werden. Mit Blick auf EU-2020 müsse man mit realistischen Zielen antreten, die auch erreicht werden. Das EU-Parlament plädiere bei EU-2020 für eine stärkere Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Mittelstandes, die Herausforderungen des demografischen Wandels und die Themen Energieeffizienz und umweltschonende Techno-logien.

Aus der Sicht der EU-Kommission erläuterte Eva Lieber als Progr-ammverantwortliche für Baden-Württemberg in der Generaldirektion Regionalpolitik den aktuellen Planungsstand sowie die Prioritäten, Kernziele und Leitinitiativen der EU-2020-Strategie. Besonders wichtig sei die Frage, wie die EU-Regionalpolitik am besten zur Erreichung dieser Ziele beitragen könne, zumal die Regionalpolitik den Bürgern mit sichtbaren Projekten sehr nahe komme. An Beispielen erläuterte sie auch die Notwendigkeit, dass nationale Gesetzgebung mit der EU-Strukturförderung konform gehen müsse, um ihre Wirkung nicht zu verfehlen. In Baden-Württemberg gebe es hier allerdings keinen Anlass zur Sorge. Bei der Ausgestaltung der künftigen EU-Strukturförderung müssten funktionale Räume unterhalb der Bundesländerebene stärker beachtet werden. Eine noch stärkere Einbindung der lokalen und regionalen Akteure, der Sozialpartner und der Zivilgesellschaft in den Planungsprozess sei erwünscht. In der Veranstaltung in Schwäbisch Gmünd sah sie daher einen guten Auftakt für die weitere Diskussion. Eine ihrer wichtigsten Botschaften lautete: „Wir brauchen Leuchtturmprojekte mit klarem europäischen Mehrwert."

„Baden-Württemberg setzt sich für eine aktive Mitgestaltung aller Ebenen ein", so Ministerialdirigent Hartmut Alker, Abteilungsleiter beim Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbrau-cherschutz. Dazu werde im Laufe des Jahres noch mehrfach Gelegenheit geboten. Die Ziele des Landes würden sich mit der EU-2020-Strategie decken. Schon in der laufenden Förderperiode setze man auf Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung. Umwelt- und Klimaschutz gewinnen seiner Meinung nach künftig noch mehr an Bedeutung. Außerdem erhalte Vernetzung und interkommunale Zusammenarbeit noch größeres Gewicht. Dabei sieht das Land in Wettbewerbsverfahren auch weiterhin ein geeignetes Instrument zur Auswahl der besten Förderprojekte. Auch über neue Finanzierungsinstrumente, wie z. B. Beteiligungsfonds, werde nachgedacht.

Für die kommunalen Landesverbände betonte Florian Domansky, Leiter des Europabüros der baden-württembergischen Kommunen in Brüssel, dass auch Baden-Württemberg als Land mit wirtschaft-licher Motorenkraft an der EU-Strukturförderung partizipieren müsse. Von besonderer Bedeutung bei der Planung des künftigen Programms sei Partnerschaft und Transparenz.

Die Präsentation der beiden EU-Leuchtturmprojekte im Ostalbkreis kam ebenfalls nicht zu kurz. Das „Innovationszentrum Aalen" auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft wurde von der Ersten Bürgermeisterin der Stadt Aalen, Jutta Heim-Wenzler, vorgestellt. Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse erläuterte für die Stadt Schwäbisch Gmünd den aktuellen Stand beim „Forschungs- und Qualifizierungszentrum für den Nachwuchs". „Derzeit gibt es insgesamt sieben EU-Leuchtturmprojekte in Baden-Württemberg , zwei davon im Ostalbkreis", wie Landrat Pavel betonte. Im Rahmen der Veranstaltung wurde eine Ausstellung des Landes zu diesen Projekten präsentiert.

Einen Ausblick auf die Herausforderungen der Strukturentwicklung im Ländlichen Raum gab abschließend Bürgermeister Dr. Gunter Bühler aus Bopfingen. Er machte anhand verschiedener Indikatoren deutlich, dass es auch in Baden-Württemberg innerregionale Passivräume gebe, die teilweise mit Mehrfachbelastung aufgrund ihrer Randlage, gewerblichem Strukturwandel, schlechter Verkehrsanbindung und damit auch Wegzug der jungen Bevölkerung zu kämpfen hätten. Hier sah er einen wichtigen Ansatz für Modelle der künftigen EU-Strukturförderung, was auf breite Zustimmung stieß.

Im Anschluss an die Veranstaltung nahm die Vertreterin der EU-Kommission die Gelegenheit wahr, sich vor Ort von der erfolgreichen Umsetzung EU-geförderter, innovativer Projekte zu überzeugen. Die Firmenbesuche bei der Heinzmann GmbH in Schwäbisch Gmünd-Degenfeld sowie bei der Firma Harris & Bruno Europe GmbH in Schwäbisch Gmünd-Straßdorf wurden von der Wirtschaftsförderung des Ostalbkreises und der Stadt Schwäbisch Gmünd begleitet.

Die Ausstellung zu den EU-Leuchtturmprojekten in Baden-Württemberg wird noch bis zum 21. April 2011 im Landratsamt in Schwäbisch Gmünd, Haußmannstraße 29, präsentiert. Sie kann dort zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden.