Als promovierte Ärztin spricht sie Ostälbler aus dem Herzen:
„Es darf doch nicht sein dass man kränker
aus einem Krankenhaus heraus kommt!"
Gesundheitsministerin Monika Stolz zieht Bilanz: „Schutz vor
gefährlichen Krankenhauskeimen muss verbessern werden"

Ministerin Stolz mit einem denkwürdigen Blick auf die Stadt Aalen von der Ostalbklinik aus.                      AIZ-Fotos: Dieter Geissbauer
Aalen/Stuttgart. „Es darf nicht sein, dass man kränker aus einem Krankenhaus herauskommt, als man hineingegangen ist. Deshalb müssen wir den Schutz vor gefährlichen Krankenhauskeimen intensivieren", sagte Gesundheitsministerin Dr. Monika Stolz bei der Vorstellung des Jahresberichts des Landesgesundheitsamtes am Mittwoch 21.4. in Stuttgart. In Deutschland infizieren sich jährlich mehr als 500.000 Menschen in medizinischen Einrichtungen durch multiresistente Erreger (MRE), davon etwa 20.000 bis 40.000 mit tödlichem Ausgang.

Ministerin Stolz in der Ostalbklinik in Aalen: Hier ist alles vorbildlich.
Der „Methicillin-resistente Staphyllococcus aureaus", zählt zu den bakteriellen Organismen mit einem hohen Risikopotential für bestimmte Personengruppen. Er kann bei geschwächtem Immunsystem schwere bis tödlich verlaufende Infektionen verursachen und ist mittlerweile in nahezu allen Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und Pflegeheimen verbreitet. MRE kann durch Mitpatienten, Pflegekräfte oder Ärzte übertragen werden und verursacht dadurch oftmals schwer auszumachende Infektketten. Der Erreger ist resistent gegen Antibiotika vom Penicillin-Typ sowie zunehmend gegen weitere Antibiotikaklassen. Dies macht die Behandlung so schwierig.

Krankheitsrisiko verringern: Hilfestellung im Kampf gegen MRE erwartet sich die Gesundheitsministerin von einer Krankenhaus-hygiene-Verordnung, die derzeit erarbeitet werde und Anfang 2011 in Kraft treten soll: „Damit sollen in Baden-Württemberg landeseinheitliche Regeln für ein effizientes Hygienemanagement in medizinischen Einrichtungen geschaffen werden. Nicht nur der hygienische Sachverstand spielt dabei eine wesentliche Rolle. Durch zu erstellende Hygienepläne in jedem Krankenhaus sollen Strukturen geschaffen werden, um gezielte Hygienemaßnahmen, beispielsweise durch entsprechend ausgebildete Hygienefachkräfte voranzubringen", erläuterte die Ministerin.

Bereits jetzt begleite das Land den Aufbau von MRE-Netzwerken in den fünf Pilotkreisen Böblingen, Enzkreis, Heidenheim, Lörrach und Waldshut. Ziel ist die engere Zusammenarbeit der Krankenhäuser mit den niedergelassenen Ärzten und den übrigen an der Patientenversorgung beteiligten ambulanten und stationären Diensten und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens wie beispielsweise Alten- und Pflegeheimen. Zusammen mit den Leistungsträgern sollen einheitliche Standards entwickelt und abgestimmt werden. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württem-berg hat dazu eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe gegründet, übernimmt eine koordinierende Funktion, erstellt Informationsma-terialien und stellt einen Internetauftritt (www.mre-netzwerk-bw.de) zur Verfügung. „Von Nutzen ist auch die seit Mitte 2009 eingeführte bundesweite Meldepflicht für MRSA-Infektionen durch Staphylo-coccus aureus. Damit wird die Datenlage verlässlicher und vergleich-bar", so Monika Stolz weiter.

Übergewicht bei Kindern bleibt ein Problem: „Zwischen acht und zehn Prozent der vier- bis fünfjährigen Kinder sind übergewichtig. Adipös – also fettleibig – sind davon drei bis vier Prozent", zitierte die Ministerin aus den aktuellen Ergebnissen der neu konzipierten Einschulungsuntersuchung. Danach waren bei über 24.000 ausgewerteten Untersuchungsbefunden 2.225 Kinder übergewichtig und 830 Kinder adipös. „Auch wenn sich die Zahlen in den vergangenen Jahren für die untersuchte Altersstufe nicht gravierend verändert haben, muss bei der Interpretation dieser Zahlen berücksichtigt werden, dass nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mit einem weiteren Anstieg des Übergewichts in den Jahren nach dem Schulbeginn zu rechnen ist", so Monika Stolz weiter. Betrachtet man aus den Ergebnissen der Einschulungsuntersuchung ausschließlich diejenigen Kinder, deren Familiensprache Deutsch ist, finden sich sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen weniger übergewichtige Kinder.

Andererseits sind je nach Alter und Geschlecht rund 13 - 17 Prozent der Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist übergewichtig. 5 - 7,5 Prozent dieser Kinder sind adipös. Übergewicht ist häufig eine Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel. Auch Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen sind darauf zurück zu führen. „Unser Ziel muss sein, alle Kinder an regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung heranzuführen und zu gewöhnen. „Gerade Kinder mit Migrationshintergrund profitieren von gezielten Präventionsmaßnahmen, die schon im Vorschulalter beginnen. Unser Projekt „Gesund aufwachsen in Baden-Württemberg" setzt bereits in früher Kindheit und in den Lebenswelten der Kinder an. Damit sind wir auf dem richtigen Weg", sagte die Ministerin.

Der Leiter des LGA, Dr. Günter Schmolz, stellte fest: „Aus den Daten zu schließen, dass Übergewicht erst ab Schulbeginn ein Thema wird, wäre aber falsch. Die Ursachen dafür sind multifaktoriell und liegen zum Teil weit vor dem Eintritt ins Schulalter. Dies verlange deshalb auch vielfältige Ansätze bei Vorbeugungsmaßnahmen - auch soziale, kulturelle und biologische Faktoren spielen durchaus eine Rolle.

Deshalb ist es wichtig, Prävention und Gesundheitsförderung frühzeitig in die unterschiedlichen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen einzubinden." Das Projekt „Gesund aufwachsen in Baden-Württemberg - kommunale Netzwerke für Ernährung und Bewegung" des Gesundheitsforums Baden-Württemberg ist dafür beispielhaft. Dieses Projekt wird von der Robert-Bosch-Stiftung geför-dert und liegt in der fachlichen Verantwortung des Landesgesund-heitsamtes.

Durch die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure vor Ort sollen kommunale Netzwerke entstehen, die auf der Grundlage einer Bedarfsanalyse ergänzende Maßnahmen und Projekte durchführen. Besonderes Augenmerk liegt in der Einbindung sozial benachteiligter und schwer erreichbarer Bevölkerungsgruppen.

Impfstrategie Baden-Württemberg: Mit einer Impfstrategie beschreitet das Gesundheitsministerium noch einen zweiten Weg gegen die Ausbreitung von Infektionserkrankungen. „Wir wollen die allgemeine Impfbereitschaft und die Durchimpfungsraten erhöhen", so Monika Stolz, „und damit das WHO-Ziel, dem sich alle 52 Staaten Europas verpflichtet haben, auch in Baden-Württemberg erfüllen." An erster Stelle stehe das Ziel, Masern und Röteln bis Ende 2010 durch eine Durchimpfungsquote von mindestens 95 Prozent auszumerzen, erklärte die Ministerin. Mehr Impfschutz sei aber nicht nur aus gesundheitlicher Sicht, sondern auch gesund-heitsökonomisch dringend geboten.

So belege eine internationale Studie, dass in den USA jeder für den Impfschutz gegen Masern-Mumps-Röteln ausgegebene US-Dollar mehr als 21 Dollar an direkten medizinischen Ausgaben einspare. Baden-Württemberg habe deshalb die Ausrichtung des 2. Nationalen Impfkongresses im Februar 2011 übernommen. Hier sollen die Daten und Ergebnisse der unterschiedlichen Vorgehensweisen in den Bundesländern zusammengetragen, bewertet und im Sinne größerer Wirksamkeit und Nachhaltigkeit verglichen und abgestimmt werden. So zeige sich, dass die Impfbereitschaft in Teilen der Bevölkerung und insbesondere bei Erwachsenen nachlasse, auch weil viele Krankheiten selten geworden sind und die Bedeutung von Impfungen aus dem Blickfeld geraten sei.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) unterstützt die Impfkam-pagne durch Information und Beratung beispielsweise durch die Gesundheitsämter in den Stadt- und Landkreisen. Das LGA hat hierzu im Rahmen verschiedener Untersuchungen im Kindesalter (Einschulungsuntersuchungen und Beobachtungsgesundheitsämter) 2009 den Impfstatus aus über 86.000 Impfbüchern ausgewertet und die Auswertungen den Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt. Erfreulich sei, dass die Impfquoten insgesamt höher geworden sind. Sie weisen jedoch regionale Unterschiede auf.

Regierungspräsident Johannes Schmalzl betonte die Funktion des LGA als landesweite fachliche Leitstelle und Drehscheibe für den ÖGD in BW. „Durch die organisatorische Ansiedlung im Regierungs-präsidium Stuttgart ist das LGA in das behördliche Netzwerk eingebunden, das viele Schnittstellen zu gesundheitsrelevanten Bereichen wie z. B. zum schulischen, aber auch zum Umweltbereich hat. Anlässlich der Veröffentlichung des LGA-Jahresberichts 2009 seien Einblicke in die Arbeit möglich und werde verdeutlich, dass Gesundheit nicht nur ein hohes Gut und Querschnittsthema ist. Gesundheit werde immer mehr auch zu einem bedeutsamen Standortfaktor im Regierungsbezirk und in ganz Baden-Württemberg. Dabei können frühzeitige Prävention und Gesundheitsförderung Krankheitsrisiken verringern, so die Kernbotschaft des LGA."