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"Grenzen überwinden" heißt das Thema im Gemeindebrief:
"Erst
neulich habe ich wieder sagenhaft sch-
önen Albtrauf-Sonnenuntergang gesehen"
Gottes-Frage: Wo kann ich zur Welt kommen?
Auch für ihn
eine Grenzerfahrung: Das Himmlische kommt zum Irdischen
Von Caroline Bender (Pfarrerin der Martinskirche
Aalen)
Aalen. Wir entnehmen dem
Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Aalen im Dezember 2015 einen
Artikel "Grenzen überwinden" von Pfarrerin Caroline Bender von der
Martinskirche in Aalen die Dank des neuen Gemeindezentrums mitten in Aalen
bald abgerissen wird: (Foto: Blick über Aalen in Richtung Westen aus dem
evangelischen Gemeindebrief vom Dezember 2015):

Pfarrerin
Bender beim CVJM-Orangenverkauf. AIZ-Fotos: Geissbauer
Erst neulich habe ich wieder einen dieser sagenhaft schönen Sonnenuntergänge
über dem Albtrauf gesehen: Noch sonnig in allen Varianten die Lichtstrahlen,
die alles umspielen. Rotgolden die Zweige im Vordergrund, mit orangefarbenen
und violetten Rändern die Wolkenstreifen in der Ferne, knapp über dem
Horizont, Langsam wird es dunkler. Jeder Wimpernschlag offenbart eine andere
Farbenpracht und sich wandelnde Welt.

Die Krippe im
Aalener Rathaus mit Maruia, Josef und Jesuskind.
Was ist noch Tag, was ist schon Nacht? Gibt es da eine klare Grenze? Gibt es
diese Grenze in den Vielen anderen Fragen, die
über diesen Zeiten stehen? Fragen nach dem Anfang des Lebens, nach seinem
Ende und wie damit umgehen? Fragen, die die Menschen aufwerfen, die auf dem
Weg zu uns schon viele Grenzerfahrungen gemacht haben und die in ihrer und
unserer Begrenztheit jetzt einen Raum bei uns brauchen?
Nicht umsonst erinnern diese Fragen an Maria und Josef auf der Suche nach
einer Herberge, auf der Suche nach einem Platz für ihr Kind, für Gott in der
Welt.
Im Advent fragt Gott: Wo kann ich zur Welt kommen? Auch für ihn eine
Grenzerfahrung. Das Himmlische kommt zum Irdischen. Gott überwindet die
Grenze zwischen fremd und nah, verbindet, stellt eine Einheit her, ohne die
Eigenständigkeit zu nehmen.
Gott, der alles umfasst, wird Mensch, macht sich klein und menschlich. Er
setzt sich dem aus, dass das Leben in und auf dieser Welt begrenzt ist, eng,
oft auch schmerzlich - schon am Anfang. Gott selber spürt das bei seiner
Geburt. Scheut sich dennoch nicht, sich in diese Begrenztheit zu begeben.
Grenzerfahrung für den Verstand: Gott wird in Jesus Christus in diese Welt
geboren, lebt und freut sich in diesem Leben, leidet und stirbt daran,
stirbt an der Begrenzung des Lebens. Überwindet die Grenze des Todes, damit
wir die Fülle des Lebens haben.
Lehrt uns, auch das zu teilen, mitzuteilen, was begrenzt ist: selbst
Geld und Raum, Zeit und Kraft. Grenzerfahrung. Es wird mehr durchs Teilen.
Lehrt uns, auch das zu teilen, mitzuteilen, was uns begrenzt: Schmerz und
Leid, Angst und Ungenügen. Grenzerfahrung - All das wird weniger durchs
Teilen mit einem, der es mitträgt, der uns fragen lässt: Was ist noch Nacht,
was ist schon Tag? |