Kulturbahnhof kostet statt 17 Mio. laut Grüne 30 Millionen €:
"Aalener Rathaus ein Sanierungsfall" der
mit
500.000 € aus Stadtkasse finanziert wird?
"Schuldenstand" mit Sondertilgung auf 34 Millionen reduz-
iert" u. 300.000 € Zinsen gespart: "Turboeffekt schlägt durch"


Michael Fleischer hat auch in Sachen Führungsstil und Etat 2016 viele Forderungen an OB T. Rentschler.AIZ-Fotos: Dieter Geissbauer
Aalen.
Für das Bündnis 90 / Die Grünen im Aalener Stadtrat deckt in seiner Haushaltsrede Michael Fleischer Skandale auf und fragt wo zum Beispiel die 500.000 € im Etat 2016 eingestellt wurden um den "Sanierungsfall Aalener Rathaus" abzuhaken. Wir veröffentlichen Fleischers Rede wörtlich:

"Aalener Rathaus ist ein Sanierungsfall" meint Michael Fleischer.    
Haushaltsrede 2016, Sehr geehrter Herr Rentschler, liebe Kollegi-nnen und Kollegen, Wir haben im Jahr 2015 eine Sondertilgung von Schulden in Höhe von rund 15 Mio Euro getätigt und das war goldrichtig. Der Schuldenstand wird Ende diese Jahres auf rund 34 Mio Euro reduziert worden sein. Ein Effekt der wirtschaftlichen Boom-Jahre, aber auch eines etwas sparsameren Wirtschaftens in dieser Zeit. Inwieweit gewollt oder ungewollt, sei einmal dahin gestellt.  Folge: Wir haben rund 300.000 Euro ersparte Zinsen jährli-ch mehr zur Verfügung. Nun sind die liquiden Mittel aber auf-gebraucht, die Rücklagen auf den Mindeststand zurückgefahren und erst jetzt schlägt der Turboeffekt richtig durch. Wodurch ist dieser Effekt gekennzeichnet und wie wirkt er sich aus?

Der Schuldenstand soll sich nach mittelfristiger Planung Ende 2019 auf rund 60 Mio Euro fast verdoppeln und dies trotz  unterste-llter weiterer vier wirtschaftlicher Jubeljahre. Damit basierend auf der Annahme entsprechend hoher Finanzzuweisungen aus Einkomm-ens- und Umsatzsteuer und auf ebenfalls unterstellten sehr hohen  Gewerbesteuereinnahmen. Hinzu kommen noch verwaltungsseits kurzerhand unterstellte Steuererhöhungen und daraus resultierend jährlich 2 Mio mehr Steuereinnahmen bei der Gewerbe- und 500.000 Euro bei der nochmals angehobenen Grundsteuer.

900.000 €: "Zahlen sind gefakt um tatsächli-
che Schulden-Entwicklung zu verschleiern"

Wie belastbar ist aber auch diese Zahl von 60 Millionen Schulden Ende 2019 wirklich? Da fallen zunächst die Ansätze für den Grundstücksverkehr auf. Die bis 2019 unterstellten Einnahmen aus Grundstücksverkäufen in Höhe von 13,5 Mio Euro mögen ja noch realistisch sein. Die veranschlagten Ausgaben für Grundst-ücksankäufe in Höhe von sage und schreibe lediglich 900.000.- Euro in vier Jahren(!) zeigen aber, wie die Zahlen gefakt sind, um die tatsächlich zu erwartende Schuldenentwicklung zu verschleiern.

Aber schauen wir den Finanzplan im Hinblick auf wichtige Vorhaben noch näher an: Nehmen wir zunächst den Sportentwicklungsplan in den Fokus. Hier enthält der Haushaltsplan für 2016 Investitionen von 250.000.- Euro. Das soll es dann gewesen sein. Für 2017 bis 2019 werden Nullen ausgewiesen. Das ist ehrgeizig und man fragt sich, ob man dafür einen solchen Aufwand hätte betreiben müssen.

Nicht anders sieht die Lage bei einem weiteren Schlüsselprojekt aus, dem Mobilitätskonzept. Vorgesehene Ausgaben 2016 150.000.- Euro, in 2017 ebenfalls 150.000.- Euro, 2018 0 Euro und 2019 ebenfalls 0 Euro. Man reibt sich verwundert die Augen. Nachdem wir die Hoffnung nicht aufgeben wollen, dass das bisher ziemlich missratene Vorhaben doch noch auf eine vernünftige Schiene gesetzt wird, würde auch dies natürlich Investitionen in erheblichem Umfang erfordern.

Genauso wird die Bäderkonzeption der Stadt enorme finanzielle Anstrengungen abverlangen, auch wenn der Bereich bei der „Konzerntochter“ Stadtwerke angesiedelt ist. Hier fehlt ebenfalls jeglicher Niederschlag in der Finanzplanung.

Beim Handlungsprogramm Wohnen werden die eingestellten Beträge bei weitem nicht ausreichen, wenn man den vorhandenen und zu erwartenden Engpass beseitigen will.

Last but not least: Das Aalener Rathaus ist ein Sanierungsfall, der wie ein Damoklesschwert über uns schwebt und es ist schon geradezu mutig, wenigstens für 2019  500.000 .- Euro dafür einzusetzen. Durch dieses Rathaus pfeift der Wind und es gibt Zim-mer, die kaum vernünftig zu beheizen sind. Eigentlich müsste man das vorrangig anpacken. Tut man aber nicht.

Anders sieht es bei Ihrem Lieblingsprojekt aus, Herr Oberbürgerm-eister, dem Kulturbahnhof. Da stehen alle Signale auf „grün“ und das Projekt wird mit allen Mitteln in Richtung Unumkehrbarkeit vorangetrieben.Daran, dass die hierfür eingesetzten Mittel in Höhe von inzwischen insgesamt 17 Mio Euro ausreichen, haben wir massive Zweifel. Stellt man eine ehrliche Gesamkostenrechnung auf und berücksichtigt  Erhöhungen der Baukosten sowie bauliche Zwänge, z.B. die Frage, inwieweit die vorhandene Bausubstanz tatsächlich noch zu halten sein wird, denken wir, dass wir mit einer Prognose von etwa 30 Millionen jedenfalls nicht zu hoch liegen werden.

In Anbetracht dieser aufgelisteten Defizite ist die mittelfristige Finanzplanung mit einer in Anführungszeichen „nur“ Verdoppelung der Schulden bis 2019 das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt ist. Was tun? Wir stehen dafür, mehr zu priorisieren, nicht alles gleichzeitig anzupacken, Notwendiges von Wünschenswertem zu trennen und dafür durch Senkung der Zinslast Spielräume zu schaffen für die, die nach uns kommen.

"Ganz vorne stehen für uns die Investitionen in die Menschen": "Menschenunwürdig !!!"
Was hat für uns Vorrang? Ganz vorne stehen da für uns die Investitionen in die Menschen selbst. Das ist menschenwürdiges Wohnen auch für sozial Schwächere, Soziales, Bildung und Betreuung. Das bereits angesprochene Handlungsprogramm Wohnen wollen wir vorantreiben, um einer Monokultur durch den Bau immer neuer Wohnungen im höherpreisigen Segment entgegenzuwirken, die sich zum einen viele gar nicht leisten können und weil zum anderen Frühindikatoren dort auf eine gewisse Marktsättigung hinweisen. Bei Betreuung und Bildung sehen wir die Stadt auf einem guten Weg. Wir unterstützen die großen Anstrengungen bei der Ausweitung der Betreuungsangebote, um Kinder und Beruf vereinbaren zu können. Wir müssen Sprachförderung und Integration benachteiligter Kinder intensivieren. Das gilt in gleichem Maße für Kinder deutscher Eltern, die aus welchem Grund auch immer die erforderliche Unterstützung nicht leisten können, wie für solche mit Migrationshintergrund.

Und wir wollen mit dem neuen Hochschulcampus die Entwicklung unserer
forschungsstarken Hochschule vorantreiben, um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Aalen zu stärken. Zur räumlichen Verbindung der beiden Campusteile trägt nichts besser bei als eine direkte, nicht durch eine vielbefahrene Straße unterbr-ochene, Verbindung. Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Rombacher Straße hat gegen Ihren Willen, Herr Oberb-ürgermeister, im Gemeinderat immer wieder eine klare Mehrheit gefunden. Dennoch ist sie im jetzt vorliegenden Bebauungs-planentwurf auf wundersame Weise wieder herausgefallen. Dies kann und darf der Rat nicht einfach hinnehmen. Wir beantragen deshalb die Aufnahme einer Planungsrate für die Brücke in Höhe von 50.000. Euro in den Haushalt 2016 sowie die umgehende Beantragung von Zuschüssen beim Land.

Hinter dem ehrgeizigen Investitionsprogramm für die Schulen von rund 40 Mio Euro allein bis 2020 stehen wir voll. Das ist bestens angelegtes Geld und nachhaltig in jedem Sinn. Nachh-altigkeit wünschen wir uns auch bei der Mobilität. Das bedeutet, durch gezielte Investitionen vor allem in den Umweltverbund den Individualverkehrsanteil auf das notwendige Maß zu beschränken und die vorhandenen Straßen und Parkplätze für die frei zu machen, die sie brauchen. Dadurch ersparen wir uns weitgehend teure Investitionen in Parkierung und neue Straßen. Im Moment machen wir das Gegenteil: Zuerst werden neue Parkplätze gebaut, weil das so einfach ist. Von einer integrierten Verkehrsplanung ist ebenso wenig zu erkennen wie vom Klimaschutzkonzept, das ja nach dem Gemeinderatsbeschluss eigentlich die Grundlage für  die Verkehrsplanung sein sollte.

"Halbe Million Euro für den Parkplatz westl-
ich der Stadthalle im Etat 2016 zu streichen"

Wo können wir sparen, um die genannten Prioritäten zu finan-zieren? Wir stellen den Antrag, die rund eine halbe Million Euro für den Parkplatz westlich der Stadthalle zu streichen. Parken im Park ist nicht nur ein Frevel, der allen innerstädtischen Grünkonzepten zuwiderläuft. Es ist unnötig, weil in der Umgebung Parkplätze vorhanden sind. Und wir müssen hier die Dinge vom Kopf auf die Füße stellen und zunächst die vorhandenen Parkplätze bewirtschaften und anschauen, was sich dadurch verändert.Um eines aber auch klarzustellen: Den Umbau des Stadthallenfoyers halten wir für richtig und notwendig.

Wenn es nach Grünen geht ist der Steg am Stadtoval gestrichen.    
Wir beantragen ferner die Streichung der
vier Mio. Euro für den Steg beim Stadtoval

Wir beantragen ferner die Streichung der 4 Mio Euro für den Steg beim Stadtoval. Dieser Steg ist im wahrsten Sinne nicht zielführ-end. Der Ausgangspunkt auf der Westseite liegt zu ungünstig. Der zu überwindende Höhenunterschied ist zu groß und ein Steg, der im wesentlichen über Aufzüge erschlossen wird, wird wenig angenommen werden. Wir schaffen eine neue Rad- und Fußgänger-verbindung durch die Düsseldorfer Straße und wollen die Hirschb-achunterführung verbessern. Geld, um es in gleich drei parallele Verbindungen zu stecken, haben wir einfach nicht.

Auf Stadtoval im DB-Betriebsgebäude entsteht der Kulturbahnhof.    
Wir stellen ferner den Antrag, die in 2016 eingestellten 1,15 Mio Euro  für den Ellwanger Torplatz zu streichen und damit um ein Jahr zu schieben. Dieses Vorhaben wird  auf Grund der vielen anderen Baumaßnahem im Bankenviertel und dem daraus resultier-enden Baustellenverkehr in 2016 ohnehin nicht kassenwirksam werden können.

Bei den 20.000.- Euro Zusschuss für die Weihnachtsbeleuchtung beantragen wir einen Sperrvermerk bis zur Klärung, ob die Kugeln in Anbetracht der statischen Probleme wirklich venünftig schweben können.

In der jetzt vorgelegten Finanzplanung sehen wir keine Basis für die Verwirklichung des Kulturbahnhofs. Kein anderes Vorhaben treibt uns so in die Schulden wie dieses und nimmt uns die Spielräume für andere wichtige Aufgaben. Wir hören natürlich den Aufschrei, wir seien Kulturbanausen.  Allerdings wird im Rahmen dieses Bauproj-ekts keine kulturelle Einrichtung geschaffen, die nicht bereits vorhanden ist. Ein Verlust an Kultur ginge mit einem Verzicht also nicht einher. Es wäre vielmehr der Abschied von einem baulichen Highlight. Diesen Reiz haben wir immer anerkannt, wir sind nur der Meinung, dass wir uns dieses teure Schmankerl schlichtweg nicht leisten können.

Wir beantragen deshalb zunächst die Streichung der Million, die in 2016 hierfür eingestellt ist. Wir wollen die Option aber für den unseres Erachtens leider unwahrscheinlichen Fall noch offen halten, dass sich in einem Jahr alle Rahmenbedingungen als besser erweisen, als gedacht.Also für den Fall einer  überraschend positiven Haushaltsentwicklung, dass Geld auch für andere wichtige Aufgaben da ist und sich die Kosten bei weiterer  Berechnung tat-sächlich in dem veranschlagten Rahmen halten.

Im Etat auch enthalten sind 300.000.- Euro für den barrierefreien Zugang zum Wasseralfinger Rathaus. Dies ist der Einstieg in Umbau und Sanierung der Rathäuser in den Ortsteilen. Die Doppelstruktur von einem zentralen und sieben Ortsrathäusern kostet uns viel und doppelt Geld. Zum einen für den Unterhalt der Immobilien, zum anderen für laufende Personalkosten.

Vor dem Hintergrund sich erhöhender Schuldenfinanzierung der kommenden Haushalte bleiben wir dabei: Wir wollen in die Lebens-qualität in den Teilorten  investieren und das sind nicht die Rathäuser. Einsparungen von rund 800.000.- Euro jährlich ließen sich durch eine Reform der dezentralen Verwaltung erreichen und zwar ohne Schmälerung des Angebots.

Lasst uns endlich diese alten Zöpfe abschneiden und im Gegenzug die Kompetenzen der Ortschaftsräte im Rahmen eines eigenen Budgets für die Ortschaften erweitern!

Wir müssen unseren Blick aber auch auf die Struktur des Haushalts richten. Der Stellenplan enthält viele zusätzliche Stellen, was naturgemäß  entsprechende jährliche Kosten nach sich zieht. Wir erkennen den Bedarf bei Betreuung und Bildung als wesentliche Ursache hierfür an. Wir brauchen aber auch eine laufende Aufgabenkritik. Der Stadt wachsen nicht nur immer neue Auf-gaben an, es muss aber besser darauf geachtet werden, wo welche wegfallen oder man auch etwas sein lassen kann. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, städtische Mitarbeiter weiter auszupr-essen, die in vielen Bereichen schon am Limit laufen. Den ÖPNV wollen wir im Rahmen eines modernen Mobilitätskonzepts verb-essern. Folgende Maßnahmen halten wir für vordringlich:

Wir stellen den Antrag, ein dynamisches Fahrgastinformations-system am ZOB, am Gmünder Torplatz und am Ellwanger Torplatz zu installieren und hierfür 150.000. Euro in den Haushalt 2016 einzustellen. Die elektronischen Anzeigetafeln sollen in Echtzeit über die Abfahrtszeiten, den Bussteig und die jeweiligen Zielrichtungen der Busse informieren. Insbesondere am ZOB ist es nicht nur für Auswärtige kaum möglich, sich zügig über Anschlüsse zu informieren. Wir stellen ferner den Antrag, 50.000.- Euro für ein sehr preisgünstiges Marktticket einzustellen. Die Parkplatznot ist derzeit in der City wegen Baumaßnahmen besonders groß und zwar vor allem an Markttagen. Andererseits fahren die Busse wegen des fehlenden Schülerverkehrs in dieser Zeit teilweise fast leer und können besser ausgelastet werden.

Desweiteren beantragen wir Vorrang innerhalb der Verwaltung für den im Arbeitskreis Mobilitätskonzept angedachten Aufbau eines zentralen Mobilitätsmanagments und Schaffung eines umfassenden Mobiltätstickets.Hier ist zeitlicher Vorlauf erforderlich, so dass in 2016 noch keine zusätzlichen Mittel einge-stellt werden müssen. Wir beantragen außerdem noch, die für die Hirschbachverdolung in der Produktgruppe 5520 eingesetzten Mittel umzupolen auf die dringend notwendige Renaturierung des Hirschbachs, die bereits früher einmal zum Opfer von Sparmaß-nahmen wurde.

Leider muss ich am Schluß meiner Haushaltsrede nochmals auf den bereits letztes Jahr angemahnten respektvollen und wertsch-ätzenden Umgang mit den Mitarbeitern im Rathaus zu sprechen kommen. Die Verschleißerscheinungen von und an Menschen in Ihrem personellen Umfeld, Herr Oberbürgermeister, bereiten uns große Sorge

OB-Verschleiß: Offener und teamorientierter
Führungsstil wird jetzt wichtiger denn je sein
Ein offener und teamorientierter Führungsstil wird jetzt wichtiger denn je sein. Ein weiter so wie bisher, gibt es nicht.Mit „frisch, fromm, fröhlich, frei“ allein wird es zwar nicht gehen, aber mentale Lockerungsübungen statt Verbissenheit sind dringend angezeigt. Hier ist ein Kurswechsel notwendig: Für das Rathaus, für die Stadt und nicht zuletzt für Sie selbst, Herr Rentschler.In diesem Sinne bedanken wir uns bei allen, die an der Erstellung dieses Etatentwurfs mitgewirkt haben, ganz besonders natürlich Ihnen, Frau Faußner, und Ihrem Team. Michael Fleischer