Predigt zum Thema Luther nur in kostenlosen AIZ ungekürzt:
Würden wir heute auch noch konsequent zu
einer Sache stehen können wie Martin Luther

Dekan Drescher: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib
töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch viel
mehr vor dem, der Leib u. Seele verderben kann in  Hölle!"

Von der Kanzel aus hinter dem gekreuzigten Jesus in luftiger Höhe lieferte Dekan Ralf Drescher eine Predigt zum Reformationstag 2017 ab die sogar OB-Rentschler und seinen Nachfolger Ex-OB Ulrich Pfeifle uns sogar Ex-Dekan Erich Haller sowie etwa 400 Kirchen-besucher sehr positiv überraschte und wegen dieser Super-Predigt in der Luther ständig vorkam drucken wir sie ungekürzt für alle AIZ-Leser weltweit ab. Drescher hat damit Glanzpunkte in ganz Baden-Württemberg gesetzt und die Nähe zu Luther und 500 Jahre Thesen aufs tägliche Leben bezogen gesetzt.   AIZ-Fotos: Dieter Geissbauer
Aalen.
Am Reformationstag 2017 "500 Jahre Luther" gab es einen Festgottesdienst im Gedenken an Martin Luther der in Wittemberg zur letzten Ruhe vor 500 Jahren geleitet wurde einen festgottesdienst in der vollbesetzten Aalener Stadtkirche. Die Predigt hielt Dekan Ralf Drescher. Dieses 2017 wurde an vielen Orten das Reformationsjubi-läum gefeiert. Auch freikirchliche und altkonfessionelle Einrichtungen und Gemeinden beteiligen sich an den Aktionen, die von Diakonie Deutschland und Brot für die Welt angeregt werden. Dieses Heft bietet dafür Hinweise und Vorschläge aus altkonfessionellen und Freikirchen, die direkt Mitglieder im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung beziehungsweise indirekt über die Vereinigung Evangelischer Freikirchen Mitglied sind. Weitere Informationen sind leicht im Internet zu finden: Verstehen Sie dieses Heft als eine Sammlung von Links – und informieren Sie sich über die Personen und Inhalte. Oft gibt es spannende Zusammenhänge zu entdecken.

Lutherbild als Glasfenster am Eingang der Stadtkirche in Aalen.      
Die Stadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt, die den Namen „Lutherstadt“ trägt, gilt als die Wiege der Reformation. Hier lebte und wirkte Martin Luther, der mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen der Reformation wichtige Impulse verlieh. Der Überlieferung nach schlug er am 31.10.1517 seine Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Anlässlich dieses kulturhistorisch bedeutsamen Ereignisses wurde durch den Bundespräsidenten am 31. Oktober 2016 im Berliner Konzerthaus das Reformationsjubiläum eingeleitet.

Aufgeblasener Luther an der evangelischen Kirche Wasseralfingen.
Die Reformation war eine Zeit großer Umbrüche. Auch unsere Zeit ist voller Herausforderungen: Klimawandel, Menschenrechtsverletzung-en, die riesige Schere zwischen Arm und Reich. Im Jahr des Reformationsjubiläums geben wir Anstöße für Gemeinden zum Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöp-fung


Stadtpfarrer Richter in der  Sakristei der Stadtkirche mit der neuen Luther-Bibel. Man beachte: Im Hintergrund auch Luther-Glasfenster.  
2017 wurde nicht nur in Aalen sondern an vielen Orten das Reform-ationsjubiläum gefeiert. Auch freikirchliche und altkonfessionelle Einrichtungen und Gemeinden beteiligen sich an den Aktionen, die von Diakonie Deutschland und Brot für die Welt angeregt werden. Dieses Heft bietet dafür Hinweise und Vorschläge aus altkonfess-ionellen und Freikirchen, die direkt Mitglieder im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung beziehungsweise indirekt über die Vereinigung Evangelischer Freikirchen Mitglied sind.

Das Luther-Grab in Wittenberg stand heute auch im Mittelpunkt.     
Der Festgottesdienst heute in der Aalener Stadtkirche war für alle vor allem wegen der Drescher-Predigt von der hohen Kanzel aus für elle ein durchweg positives Erlebnis, zumal auch der CVM-Posaunenchor vor dem Altar in größter Stärke auftrumpfte und KMD Haller an der Orgel wieder seine Meisterstücke präsentierte.

Kirchenmusikdirektor Haller an der neuen Aalener Orgel.                
Das "Sündenbekenntnis" der allmächtige Gott erbarme sich und vergebe unsere Sünden, und die Gnadenzusage, sowie das Psalmgebet (Hymnus aus dem Römer-Brief) im Wechsel ges-prochen und natürlich das Glaubensbekenntnis leitete zur Predigt von Dekan Ralf Drescher über, bei der auch Luther nicht zu kurz kam und Drescher die innige Beziehung der 4 Luther-Glasfenster in der Stadtkirche zu den Aalenern herstellte und an der Drescher "bis heute morgen gefeilt habe und erst dann war sie fertig" das Warten darauf hat sich gelohnt und wird von der AIZ ungekürzt im Wortlaut abgedruckt und zwar nur in der AIZ, wofür wir unserem Dekan dankten:




Luther Fenster-Bilder der Sakristei von außen heute hinter Gitter.    
Predigt am 31.10.2017 (Predigt zum Reformationstag)
Predigttext: Mt 10,26b-33
Der Feierlichkeiten anlässlich unseres Reformationsjubiläums, liebe Gemeinde, sind noch nicht wirklich abgeschlossen, der große Festtag noch nicht einmal erreicht, da ziehen die Ersten bereits Bilanz und wollen wissen, ob sich der Aufwand denn tatsächlich gelohnt hätte?! Ich persönlich finde, das ist zu früh und wir sollten uns damit jetzt noch ein wenig zurückhalten. Ist es doch zunächst ein besonderes Privileg, ein derart geschichtsträchtiges Ereignis zu erleben und schließlich auch gestalten zu dürfen, ohn‘ eigenen Verdienst, aus lauter Gnade sozusagen.

In einer Vielzahl an Veranstaltungen hat die Evangelische Kirche in Deutschland sich in den letzten zehn Jahren auf dieses große Jubiläum vorbereitet und dabei jedes Jahr unter einen eigenen Themenschwerpunkt gesetzt. Landeskirchen, Kirchenbezirke und Ortsgemeinden haben diesen Impuls aufgegriffen und ebenso eine Vielzahl an Veranstaltungen vorbereitet und durchgeführt. Ich selbst denke an unseren Auftakt, am 25. Oktober 2014, hier in der Stadtkirche, mit dem Prälatensohn und ehemaligen Oberbürger-meister Uli Pfeifle, zum Thema: „Evangelisch sein in Aalen, vom Pfarrhaus ins Rathaus". Ich denke weiter an hochkarätige Vorträge, interessante Seminare und wirklich eindrückliche Gottesdienste in den Kirchengemeinden unseres Bezirks. Ich denke natürlich auch an das großartige Buch Evangelische Kirchenbauten, das wir letzte Jahr im Oktober präsentieren konnten. Ein Kirchenführer der besonderen Art und eine Reformationsgeschichte über die ganze Region. Und schließlich freue ich mich auf den besonderen Abschluss unseres Jubiläums am heutige Tag: die Churchnight drüben in der Markuskirche und das großartige Konzert hier in der Stadtkirche, heute Abend.

All diese Veranstaltungen, auch die vielen nicht genannten, haben ganz sicher dazu beigetragen, dass sich evangelische (und katholische) Christenmenschen mit ihren Wurzeln beschäftigen konnten. Für mich persönlich bereits heute, ein wichtiger Ertrag, eine positive Bilanz und alles Weitere wird man sehen. Aber fragen wir doch - unabhängig davon - einfach mal: Was fällt uns heute zu diesem traditionsträchtigen, evangelischen Feiertag eigentlich ein?! Was bedeutet es für uns evangelisch oder katholisch zu sein?! Oder noch direkter: was bedeutet es uns, unseren christlichen Glauben zu bekennen?! Spielt all das in unserem Leben überhaupt noch eine Rolle?! Und wenn ja, welche?!

Genauer besehen und wenn wir ehrlich sind - wohl kaum noch eine allzu große?! Wie das kommt?! Ich denke, zunächst ganz lapidar, es ist ein Merkmal unserer Zeit, der Zeitgeist, dass solche Traditionen an Bedeutung verlieren. Eine Zeit, die von der Schnelllebigkeit der Ereignisse geprägt ist, die einem oft unter den Fingern zerrinnt, eine solche Zeit hat ganz offensichtlich eben keine Zeit mehr, sich mit sich selbst zu befassen, mit ihren Wurzeln, ihren Traditionen und ihrer Geschichte. Aber woran soll sich der Zeitgeist dann orientieren?! Wovon soll er sein Urteilsvermögen herleiten?! Und woher soll er sich Gewissheit verschaffen, in dem was richtig ist und was falsch, in dem, was zu tun ist und zu lassen?!

Ich denke, Sie alle kennen den bekannten Lutherfilm, aus dem Jahre 2003, mit Joseph Fiennes, als Luther, in der Hauptrolle, Sir Peter Ustinov knitz als Friedrich dem Weisen und Uwe Ochsenknecht, als Papst Leo XII. Er ist auch heute Abend wieder zu sehen. Ich schaue ihn mir immer wieder gerne an. Für mich persönlich sind dabei der Mut und vor allem die Konsequenz, ja die Kompromisslosigkeit des jungen Luther - auch - gegen sich selber überzeugend dargestellt. Sei es beim „Anschlag der 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg" oder auf dem Reichstag zu Worms. Ganz und gar auf sich allein gestellt bekennt Martin Luther vor Kaiser und Kurie: Hier stehe ich: Ich kann nicht anders! Und das hinterlässt einen tiefen Eindruck. Ich habe diesen Film in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden im Konfirman-denunterricht angeschaut. Und dabei stand am Ende jedes Mal die Frage im Raum: Hätten wir diesen Mut auch?! Und würden wir heute auch noch derart konsequent zu einer Sache stehen können, auch wenn wir dadurch in eine derart bedrohliche Lage kämen?!

Es muss ja nicht immer gleich das ganze Leben auf dem Spiel stehen. Manchmal reichen auch schon die kleinen Konflikte im Alltag, die uns grenzwertig herausfordern, die uns belasten und beschweren.
„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle!" Dieser Satz aus dem heutigen Predigttext, liebe Gemeinde, spricht hier eine klare Sprache und er weist uns damit den Weg. Er fordert uns unmiss-verständlich auf, unsere Furcht zu überwinden und hinzustehen. Und das hat Konsequenzen. Denn, wenn ich mich aus allem heraushalte, wenn ich mich in nichts hineinziehen lasse und wenn ich keine Position beziehe, dann muss ich auch für nichts geradestehen und mich am Ende vor nichts fürchten?!

Eine solche Haltung erscheint ohne Zweifel zunächst komfortabel. Und viele Menschen entscheiden sich wohl auch deshalb häufig dafür und mogeln sich so irgendwie durchs Leben. Und sie kommen beim ersten Hinsehen dabei ja vielleicht auch ganz gut weg. Wer sich einmischt, wer Position bezieht, wer Verantwortung übernimmt, macht sich hingegen angreifbar, verwundbar und ist im Letzten auf sich selbst gestellt und dabei oft allein:
Hier stehe ich: Ich kann nicht anders! Ich kann jeden wirklich gut verstehen, der sich dann fragt: Warum tue ich mir das eigentlich an?! Soll’n die sich doch um ihrem Kram selber kümmern!" Manchmal geht’s mir - ehrlich gesagt - auch selber so.
„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle!"

Und dann klingt das so zunächst nicht wirklich tröstlich, ganz abgesehen von der derben Sprache, derer sich der Predigttext da bedient. Er stellt uns damit vor die Frage: Wie also kann man diesem Anspruch gerecht werden?! Mit anderen Worten: eine echte Zumutung! Gewiss! So wie das Leben halt überhaupt auch eine echte Zumutung ist, Gabe und Aufgabe zugleich, im Kleinen wie im Großen. Oder, wie es meine Frau gelegentlich zu sagen pflegt, wenn die Anforderungen in Familie und Beruf im Grenzbereich liegen: „Dass es einfach wird, hat uns keiner versprochen!"

Von links Ex-Landtagspräsident Geisel, Ex-OB Ulrich Pfeifle, sein Nachfolger OB Thilo Rentschler sogar mit Ehefrau und ihrem Sohn.
  
Und da werdet Ihr, da werden Sie alle ganz eigene Beispiele vor Augen haben. Ich denke, es sind auch die Situationen im täglichen Leben, in denen es ans Eingemachte geht, Situationen, in denen wir manche Entscheidung vielleicht auch in Frage stellen, Situationen, in denen dann unser Durchhaltevermögen und unsere Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand stehen - und das kann überall sein. In der Schule, wo ich mich endlich mal mit dem verbünde, der immer außen vor bleibt, mit dem, der immer zu kurz kommt und der immer alles abkriegt. Und das erfordert dann vielleicht meinen ganzen Mut, einmal hin zu stehen und deutlich zu sagen: Leute ich mach hier nicht mehr mit, das bringt’s nicht, das ist ungerecht, also lassen wir das! In der Familie, in der Auseinadersetzung mit den heranwachsenden Kindern, wenn es darum geht, Entscheidungen, die wir als Eltern gut und richtig empfinden, auch dann aufrecht zu erhalten, wenn es die unsere Heranwachsenden so gar nicht einse-hen mögen.

Es wurde selbst entschieden: "Dazu stehe ich.
Hier stehe ich: Ich kann doch nicht anders!"

Zum Beispiel bei der Frage, um wie viel Uhr man am Abend spätestens heimzukommen hat, ob man rauchen oder Alkohol trinken darf oder wie viel Zeit man vor dem Computer verbringt. Persönliche Anmerkung: Sie merken, in welcher Altersklasse wir da gegenwärtig unterwegs sind. Aber auch im Geschäft, wo einer immer der Dumme ist, aus welchem Grund auch immer. Auch hier kann es sein, dass ich meinen ganzen Mut zusammennehmen und einmal deutlich machen muss:
Kolleginnen und Kollegen, so kann, so darf es nicht weitergehen, das ist so nicht Recht! Wie gesagt: Jeder und jede von uns könnte Beispiele aus dem eigenen Leben erzählen, bei denen er als ganze Person gefordert war, bei denen sie ihren ganzen Mut zusammennehmen musste, um zu sich selber oder zu anderen zu sagen: So habe ich es entschieden. Dazu stehe ich. Hier stehe ich: Ich kann nicht anders!

Es gibt sie also, diese Situationen in jedem Leben, wo wir diesen Satz in etwa so sprechen. Nicht unbedingt im Wortlaut, aber doch der Sache und dem Sinn nach! Im Gespräch mit anderen oder mit uns selbst. Und es ist dann nicht immer ganz leicht diesen Satz auch durchzuhalten und zu leben. Denn da gibt es Stimmen, innere und äußere, die uns zuflüstern: Warum hältst du eigentlich unbedingt an dieser Sache fest?! Muss das denn sein?! Bist du dir wirklich sicher?!
Warum tust du dir das an!? Lass doch die Anderen mache, und mach dir nicht so viele Gedanken! Und was du nicht sehen willst, davor verschließ einfach die Augen.

Fünfhundert Jahre Reformation - und am Ende fällt meine persönliche Bilanz ganz bescheiden aus: Dieser Tag, liebe Gemeinde, ruft uns in Erinnerung, dass uns der Glaube immer als ganze Person herausfordert und immer wieder vor die Entscheidung stellt, unser Leben an Gottes Wort und seinem heilvollen Willen auszurichten - im Kleinen wie im Großen. Nicht weil es eine Voraussetzung dafür wäre, dass wir vor Gott gerecht würden, sondern weil Gott uns - biblisch gesprochen - in Christus gerechtfertigt hat und wir darum gar nicht anders können - auf die Reihenfolge kommt es also an und dann aus lauter Gnade.
„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle!"

Verantwortung zu übernehmen, auch dort, wo es schwerfällt, liebe Gemeinde, Position zu beziehen, wo es notwendig erscheint, dazu will uns der heutige Predigttext ermutigen. Und das kann überall sein! Dass es einfach wird, hat uns in der Tat keiner versprochen. Und Schrammen an Leib und Seele kann’s durchaus geben. Aber im Kern unserer Seele, im Kern unseres Selbst bleiben wir unverletzt. Das ist uns zugesagt. Amen. es folgte noch das Lied nach der Predigt "Ein feste Burg ist unser Gott" (EG 362,1-4) und am Ende der Veranstaltung viel beste Musik. Danke Dekan Drescher, Sie haben nicht nur mir sondern allen Besuchern des Festgottesdienstes aus dem tiefsten Herzen gesprochen. Dieter Geissbauer
Infos:
http://www.aaleninfo.de/mea17/18/luther.htm
http://www.aaleninfo.de/NOV17/15/achtbeaume.htm
http://www.aaleninfo.de/NOV16/21/stadtkirche.htm





Ex-Dekan Haller heute auf dem Weg in die Aalener Stadtkirche.